Die Mitwirkenden
2. Teil ab Januar 2003
Ursprünglich gab es nur die beiden ersten Bände. Inspiriert durch die 2002 in Berlin überall auftauchenden Buddy-Bären malte und textete ich 2002 Band 3, in dem Vater Bärenstark zur Familie kommt. Auch kam es in 2002 noch zur Herstellung von Band 4, der im Berliner Zoo spielt. In diesen Band nahm ich die im Sommer 2002 von mir aufgezogene Krähe Klexy als eine wichtiges neues Familienmitglied der Patchwork-Familie Bärenstark auf. Während der Herstellung weiterer „Lilli-B.“- Bände brauchte ich mich um weitere Übersetzer nur so weit zu kümmern, dass ich sie willkommen hieß und ihnen die Texte aushändigte, die sie übersetzen wollten.
Zhang
Fang war eine der fleißigsten, sie übersetzte mit
Vergnügen auch den etwas umfangreicheren Text von Band 3 ins
Chinesische. Handschriftlich, weil wir niemanden kannten, der einen
chinesisch schreibenden PC hat. Band 4 wollte eine chinesische
Nachbarin übersetzen, die als Chinesischlehrerin arbeitet.
Da Band 4 bereits von Schülern der „Brandenburg International School“ (Klein Machnow / Brandenburg) und von der „Staatlichen Polnisch-Deutschen Europaschule von Berlin“ ins Polnische übersetzt worden war, kam mir die Idee, dass Band 4 generell von Schulen übersetzt werden könnte, denn wir haben ja viele zweisprachige Schulen in Berlin. Das Berliner Canisius Kolleg hat einen Abiturkurs für Japanisch mit der Lehrerin Frau Umetsu. Diese Klasse war gern dazu bereit, Onkel Klaus von der japanischen Schreibarbeit zu befreien. Sie korrigierten und tippten nach den Vorgaben von den (angeblich einzigen japanischen) Sushi - Lokalinhabern in unserer Strasse Band 3 und machten sich an die Übersetzung von Band 4. (Lillis Tag im Zoo)
Unterdessen arbeitete ich bereits an der Produktion von Band 10 (Lilli Bärenstark im Rheinland), der in Siegburg spielt. (Deshalb die weit vorausgegriffene Zahl 10, denn Band 5 – 9 sind ja noch nicht fertig) Band 10 und 11 habe ich mit Siegburger Freunden und Familienmitgliedern entwickelt und ihnen zuliebe gemalt. Da ich die meiste Zeit meiner Jugend in Siegburg verbracht habe, kenne ich dort noch eine Menge Leute, von denen ein Teil als Lehrer an Schulen oder in anderen sozialen Berufen arbeitet. Für mich ist es witzig, dass die „I-dötzchen“ (= Rheinisch für Schulanfänger) in der Grundschule, in der ich vor 50 Jahren eingeschult worden bin, jetzt mit von mir entwickelten Heften arbeiten. Ich hoffe, dass ihnen die Arbeit damit Spaß macht!
Auf dem Weihnachtsbazar hatte ich einen pensionierten Studienrat, Herrn Friederich, kennen gelernt, der die beiden ersten Bände gern ins Lateinische übersetzte. Allerdings fehlt die Übersetzung von „Kikeriki“ und „Miau“, denn die Übersetzung dieser Wörter ist nicht überliefert.
Herr Friederich brachte auch eine Kollegin mit, die als Sprachwissenschaftlerin an der Uni Potsdam arbeitet, Frau Dr, Norberg. Sie ist geborene Niedersorbin und spricht diese Sprache perfekt. Gern war sie bereit, Band 1 und 2 ins Niedersorbische zu übersetzen.
Unterdessen fand meine Nachbarin Ellen Rosemeier in ihrem weitläufigen Bekanntenkreis eine in Estland geborene Geologieprofessorin, die Band 1 und 2 gern in Estnisch übersetzte. Eine Freundin aus unserem Tierschutzverein brachte einen moldawischen Freund mit, der die ersten beiden Lilli-Bände ins Rumänische übersetzte, das offizielle Landessprache in Moldawien ist.
Inzwischen lernte ich im Café am Lietzensee (von Elizabeth) eine sehr sympathische afrikanische Familie aus Kamerun kennen. Wir kamen ins Gespräch, ich erfuhr, dass die Mutter des etwa einjährigen Kindes an unserem Tisch Sekretärin von Beruf war und neben Englisch und Deutsch mindestens noch 3 afrikanische Sprachen sprechen und schreiben konnte. Auf diesem Wege kam ich nun endlich doch an die Übersetzung in Suaheli und später auch vielleicht noch Kikuyu. Es war nicht so leicht, Übersetzer für afrikanische Sprachen zu finden. Deshalb freute ich mich darüber um so mehr.
Bald darauf begegnete ich auch wieder einem Freund aus früheren Zeiten, der von etwa 20 Jahren über den DAAD nach Afrika / Togo / Lomé ausgewandert war und nun ein kameruner Lebensgefährtin hatte, mit der er regelmäßig dorthin fuhr. Er erzählte, dass die meisten afrikanischen Sprachen nur in Lautschrift als Schriftsprachen existieren, was den Missionaren zu verdanken ist, die sich die Mühe gemacht haben, etliche von den vielen afrikanischen Stammessprachen aufzuschreiben – ohne zu wissen, ob es eine zugehörige originale Schrift gibt.
Vor den Sommerferien in Kamerun gab ich Ede ein paar Lilli-Hefte mit nach Kamerun, denn es konnte ja sein, dass er Übersetzer dafür finden würde. Allerdings gab er gleich zu bedenken, dass die Leute wohl Cash würden sehen wollen bevor sie bereit wären zum Arbeiten. Da ich derzeit mit dem Verkauf von Heften noch nichts Nennenswertes verdiene und den Verdienst auch sofort in Hefte umwandele, die ich an Schulklassen oder Kindergärten verschenke, habe ich noch kein Geld für die Bezahlung der Übersetzer. Es geht mir ja auch noch mehr um die Sache als ums Verdienen. Das Ziel der ganzen Performance war ja ursprünglich auch eher ein sportliches als ein wirtschaftliches: Ich wollte den Eintrag ins „Guinness Buch der Rekorde“ als meistübersetztes Kinderbuch. Auf meine Anfrage hin hatte man mir seitens des Verlags gesagt, dass ihr eigenes Buch in 38 Sprachen übersetzt sei und in 40 Ländern verkauft würde. Das müsste ich toppen, wenn ich eingetragen werden wollte. Einen Eintrag über ein meistübersetztes Buch gebe es noch gar nicht.

In meinem montäglichen Aquafitness-Kurs im Krummestr-Bad lernte ich im Juli 2003 im alten Krummebad Manjula kennen und mögen, die sich für Lilli B. begeistern konnte und mir die Übersetzung von Band 1 in Hindi verschaffen wollte.
Seit Juli 2003 arbeite ich an Band 5, der in Berlin spielt und
„Lilli geht ins Konzert“ heißen soll. Darin gehen
Bärenstarks mit Lilli und Klexy und mit japanischen Freunden in
ein von Placido Domingo dirigiertes Konzert (Spanische Nacht) der
Berliner Philharmoniker in der Waldbühne. Das heft beschreibt
ein typisches Saisonfinish-Konzert der Berliner Philharmoniker. Die
Leser lernen beim Lesen der Hefte einige Musikinstrumente kennen und
erhalten einen Eindruck von der Atmosphäre beim Konzert.
Diese Geschichte an der Berliner Wirklichkeit aufgehängt und bezieht sich auf das Saisonfinish der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne im Jahr 2001. Aus diesem Grund habe ich auch den Refrain des Liedes von der „Berliner Luft“ von Paul Lincke in diesen Band aufgenommen, das jedes Jahr am Ende des Konzerts gespielt wird. Ich kann mir vorstellen, dass es allen Kindern Spaß macht, den Refrain mit do viel „Luft, Luft, Luft“ und „Duft, Duft, Duft“ zu singen.
Ich danke dem Geschäftsführer der Berliner Philharmoniker, Herr Gerhard Forck, für die Erlaubnis, sein Orchester in Aktion in der Waldbühne gezeichnet abbilden zu dürfen.
Im September 2003 kam dann noch eine Entwicklung in Gang, welche die pädagogischen Anteile meine Seele besonders freut: An einigen Oberstufenzentren gibt es in Berlin seit einiger Zeit Modellversuche von Schüler-GmbHs. Eine davon ist die Firma DigiPhoto in der Berthold-Brecht-OS in Berlin-Spandau. Diese Firma konnte ich im Oktober 2003 dazu gewinnen, mir die knochenschindende Ganztagsarbeit im Copyshop zu einem vernünftigen Preis abzunehmen. Ich finde jede Schüleraktivität besonders unterstützenswert, die dafür sorgt, dass Kinder in der Wirklichkeit leben und lernen (ähnlich den mittelalterlichen Modellen vom Vater oder vom Meister, der seinem Sohn oder Lehrling (s)ein Handwerk im alltäglichen Leben beibrachte. Nun kann ich mit der Produktion dieser Heftchen daran mitarbeiten, dass eine wirklichkeitsorientierte Pädagogik Anwendung findet. Das freut mich wirklich sehr.
Im Oktober 2003 gab es weitere überraschende gute Lilli-Nachrichten: eine langjährige Schweizer Freundin, Eveline Herzog aus Courtaman, teilte mir mit, dass sie 2 Hefte „Lilli B. reist in die Schweiz“ getextet und gezeichnet habe – und dass sie bald fertig seien. Ich bin sehr froh über diese Unterstützung meiner Idee einer multinationalen Kreativgruppe als Autoren von Lilli B. Es läuft ja wirklich alles so gut wie ich es mir nicht besser hätte träumen können. Nun gibt es also bald auch schon franchise-Lillis!
Im November 2003 ging durch das Sponsoring der Norisbank AG (die Berliner Filialen haben 650 Lilli-Hefte an ihre Kunden verteilt) eine neue Entwicklung los. Ich bekam Besuch von einer Dame, die nicht nur Lillis klassensatzweise in Deutsch-Englisch-Tamil mit nach Indien zu ihrem Pfegekind mitnehmen wollte, sondern auch daran interessiert war, meine Hefte in den shops von „plan international“ unterzubringen. Eine andere Dame, die in die Dominikanische Republik ausgewandert war, konnte sich gut vorstellen, die deutsch-spanischen Hefte den Kindern in diesem Land zu geben. Das Buntmalen von Heften ist dort für Kinder, denen die Überflutung mit technischen Neuheiten aus wirtschaftlichen Gründen vorenthalten bleibt, noch attraktiv. Und nicht zuletzt regt die Zweisprachigkeit der Hefte an, die Kinder neugierig auf die deutsche oder auch die englische Sprache zu machen.
Ich hatte immer vor, im Laufe der performance gelegentlich ein Zusammenkommen aller Beteiligter zu organisieren, damit sich die Mitarbeiter alle einmal kennen lernen könnten. Es wurden ja immer mehr Mitarbeiter und Freunde, die ich dazu einladen konnte. Da meine finanziellen Mittel begrenzt sind, suchte ich nach einem schönen und preiswerten Rahmen für eine solche Zusammenkunft. Ende Juni 2003 nahm mich Freundin Ulrike mit ins Café Kolbe am Kolbe Museum („Kunst unter Kiefern“) in Charlottenburg (Heerstraße). Als ich dieses Café sah, war mir sofort klar: Das ist es. Endlich habe ich nun einen passenden Raum für ein multi-kultihaftes geselliges Zusammenkommen gefunden.
Berlin, im Dezember 2003
Renate Luhmer